Ein Werteprofil nach dem Schwartz‑Wertekreis ist wie eine Landkarte deiner inneren Orientierung.
Du ordnest deine wichtigsten Werte – Freiheit, Sicherheit, Erfolg, Fürsorge und andere – so, wie sie für dich persönlich gewichtet sind. Dadurch entsteht ein Bild, das zeigt:
welche Werte im Zentrum stehen,
welche eher im Hintergrund wirken,
wo Werte harmonieren,
und wo sie sich gegenseitig ziehen oder blockieren.
So erkennst du, warum bestimmte Entscheidungen leicht fallen, andere schwer sind und an welchen Stellen innere Konflikte entstehen. Im Vergleich mit den Profilen anderer wird sichtbar, wie unterschiedliche Wertorientierungen zu Missverständnissen, Ergänzungen oder produktiven Spannungen führen können.
Warum - Entscheidungen und Prioritäten verständlich machen
Werte wirken im Alltag meist implizit. Sie strukturieren Wahrnehmung, beeinflussen Entscheidungen und prägen Prioritäten, ohne dass man sie aktiv formuliert. Das Werteprofil nach dem Schwartz‑Wertekreis bietet die Möglichkeit, diese impliziten Muster systematisch sichtbar zu machen. Es zeigt nicht, wie man handeln sollte, sondern wie die eigene Orientierung aufgebaut ist.
Die Werte-Perspektive ist besonders hilfreich, weil viele Entscheidungen – beruflich wie privat – nicht nur von Fakten, sondern von inneren Präferenzen beeinflusst werden. Deine Wertepräferenzen bestimmen, was für dich Bedeutung hat und steuern so auch deine Emotionen, dein Verhalten und die Wirkung, die du dadurch erzeugst. Ein Werteprofil macht diese Präferenzen nachvollziehbar, ohne sie zu bewerten.
Im Gegensatz zu anderen Persönlichkeitsprofilen bleiben - durch die Verbindung mit dem Schwartz-Wertemodell - Motivationen nicht isoliert. Sie bilden ein strukturiertes System mit klaren, empirisch belegten Beziehungen zwischen den Werten. Damit zeigt es nicht nur welche Motive stark sind, sondern wie sie sich gegenseitig beeinflussen, verstärken oder blockieren.
Da die Kategorien universell definiert sind, lassen sich Profile zwischen Personen oder Gruppen wissenschaftlich und wertungsfrei vergleichen. Das eröffnet Räume, um Verhalten und Entscheidungen anderer besser zu verstehen und das Miteinander in Gruppen zu stärken.
Wie - Individuelle Wertorientierungen in Zusammenhang bringen
Ein Werteprofil stellt dar, wie individuelle Wertorientierungen zueinander stehen. Werte wie Freiheit, Sicherheit, Erfolg, Fürsorge, Tradition oder Universalismus werden als Prioritäten sichtbar. Zusammen ergeben sie ein strukturiertes Muster. Dieses Muster zeigt:
Zentralwerte – Werte, die häufig Entscheidungen beeinflussen.
Hintergrundwerte – Werte, die weniger präsent sind, aber dennoch wirken.
Harmonische Bereiche – Werte, die sich gegenseitig unterstützen.
Spannungsbereiche – Werte, die unterschiedliche Richtungen nahelegen.
Das Profil zeigt damit, wie man sich orinetiert. Es urteilt nicht darüber, ob das gut oder schlecht ist.
Das Werteprofil basiert auf dem empirisch gut abgesicherten Wertemodell von Shalom H. Schwartz. Dieses Modell beschreibt Werte als universelle, kulturübergreifende Motivationsprinzipien, die menschliches Verhalten leiten. Durch diese Grundlage ist sichergestellt, dass das Profil:
Wissenschaftlich validiert ist - Der Schwartz‑Wertekreis ist eines der am besten untersuchten Wertemodelle der Sozialpsychologie. Er bildet die Struktur menschlicher Werte präzise ab.
Prioritäten sichtbar macht - Menschen handeln nicht nach allen Werten gleich stark. Die Methode zeigt, welche Werte tatsächlich handlungsleitend sind.
Spannungen systematisch erklärt - Werte stehen nicht isoliert nebeneinander, sondern in einem dynamischen Spannungsfeld. Die Methode zeigt, warum bestimmte innere Konflikte entstehen.
Vergleichbarkeit ermöglicht - Da die Kategorien universell definiert sind, lassen sich Profile zwischen Personen oder Gruppen wissenschaftlich vergleichen.
Reflexion fördert - Die Methode zwingt dazu, implizite Wertpräferenzen explizit zu machen – ein zentraler Schritt in persönlicher und gemeinschaftlicher Entwicklung.
Seine Wirkung entfaltet das Werteprofils aus der Kombination von Priorisierung, Strukturierung und Interpretation:
Priorisierung als Sichtbarmachung (psychologische Aktivierung)
Werte sind abstrakte Motivationsprinzipien. Sie wirken oft unbewusst. Erst durch Priorisierung wird sichtbar, welche Werte tatsächlich Verhalten steuern.
Durch Sortieren der Werte wird sichtbar, welche Orientierungen im Alltag stärker präsent sind. Das Werteprofil erzeugt eine Rangfolge, die die motivationale Stärke eines Wertes abbildet. Sie schafft eine Grundlage für spätere Analysen.
Strukturelle Einbettung im Wertekreis
Das Schwartz‑Wertemodell ordnet die Wertkategorien in einem Kreis. Dieser lässt sich entlang zweier Hauptdimensionen interpretieren, die die Wertekategorien in einem Gesamtkonzept einbetten:
Selbstüberwindung ↔ Selbststeigerung
Offenheit für Veränderung ↔ Bewahrung von Tradition und Sicherheit
Diese Struktur erlaubt es, Prioritäten nicht nur isoliert zu betrachten, sondern im Kontext dieser Hauptdimensionen zu interpretieren.
Erkennen von Wertespannungen
Der Wertekreis hat eine weitere Besonderheit, die die Analyse des Werteprofils von Bedeutung ist. Werte, die im Kreis weit auseinander oder gegenüber liegen, stehen typischerweise in Spannung.
Beispiel:
Selbstbestimmung ↔ Sicherheit
Stimulation ↔ Konformität
Das Werteprofil macht Spannungen sichtbar und schafft Zugang zu ihrer psychologischen Wirkung: als innere Konflikte, als Entscheidungsdilemmata oder als Entwicklungsimpulse.
Vergleichbarkeit durch universelle Kategorien
Da alle Profile auf denselben zehn Wertedimensionen beruhen, lassen sich Profile zwischen Personen oder Gruppen vergleichen, ohne subjektive Verzerrungen.
Interpretation als dynamisches System
Ein Werteprofil ist kein statisches Bild, sondern ein dynamisches System: Es zeigt, wo Energie entsteht, wo Reibung auftritt und welche Entwicklungsrichtung wahrscheinlich ist.
Was - Erstellung und Nutzung eine Werteprofils
Die Erstellung erfordert ein Verständnis für die Wertekategorien von Schwartz, ist aber in kurzer Zeit erledigt. Spannend ist die Auseinandersetzung mit den sich ergebenden Mustern und deren Bedeutungen, von denen du hier vier wissenschaftlich fundierte Ansätze vorgestellt bekommst.
1. Werte priorisieren = Werteprofil erstellen
Für die Erstellung eines Wertprofils nutzt du am einfachsten unsere ICH+WIR Werteprofil App. Du findest dort Karten mit der Beschreibung der zehn Wertekategorien, die du - entsprechend deiner Priorisierungen - sortieren und abspeichern kannst. Mit einer kostenlosen Mitgliedschaft in unserer Community kannst du zudem dein Werteprofil über die Zeit zu verfolgen.
Möchtest du dein Werteprofil lieber ohne App erstellen, dann schreibe dir die zehn Wertekategorien auf kleine Zettel. Diese sind:
Selbstbestimmung - Streben nach unabhängigem Denken, eigenen Entscheidungen und kreativer Gestaltung des eigenen Handelns
Stimulation - Streben nach Neuheit, Spannung und fordernden Erfahrungen.
Hedonismus - Streben nach Freude, sinnlichem Erleben und positivem Wohlgefühl.
Leistung - Streben nach persönlichem Erfolg durch nachweisbare Kompetenz und Anerkennung nach gesellschaftlichen Maßstäben.
Macht - Streben nach Wirkung, Ansehen und Sach- und Finanzmittel, um Ziele durchzusetzen.
Sicherheit - Streben nach Schutz, Ordnung und Vorhersagbarkeit für sich selbst, Beziehungen und gesellschaftliche Systeme.
Konformität - Bereitschaft zur Selbstbegrenzung und Einhaltung sozialer Erwartungen, um andere nicht zu schädigen und Zusammenleben zu ermöglichen.
Tradition - Respekt, Verpflichtung und Akzeptanz gegenüber gewachsenen kulturellen und sozialen Praktiken.
Wohlwollen - Aktives, ehrliches Bestreben, das Wohlergehen nahestehender Menschen zu erhalten und zu fördern.
Universalismus - Prinzipiengeleitetes Eintreten für Gerechtigkeit, Toleranz und den Schutz aller Menschen sowie der natürlichen Umwelt.
Die Zettel bringst du nun in eine Reihenfolge, die deiner persönlicher Wichtigkeit entsprechen - zum Beispiel ganz links die Wertekategorie, die dir am wichtigsten ist, und ganz rechts die unwichtigste. Es gibt dabei kein richtig oder falsch. Alle Wertekategorien haben ihre Bedeutung.
Die Reihenfolge bildet dein Werteprofil und ist die Grundlage für alle weiteren Analysen.
Wissenschaftlicher Hintergrund:
Priorisierung operationalisiert die motivationale Stärke eines Wertes und ist ein zentraler Begriff der Wertpsychologie.
2. Reflexion der Wertbedeutung
Nehme dir die wichtigsten Werte deines Profils. Mache dir Gedanken zu jedem der Werte:
Welche Situationen aktivieren diesen Wert?
Welche Entscheidungen werden durch ihn beeinflusst?
Welche Emotionen sind damit verbunden?
Dies vertieft das Verständnis für deine individuelle Wertstruktur.
Kleiner Fun-Fact: Bei zehn Wertekategorien gibt es genau 3 628 800 mögliche Anordnungen. Bei Gleichverteilung der Wertekategorien heißt das, dass es nur ca. 2.200 Menschen auf der ganzen Welt gibt, die ein identisches Werteprofils zu dir haben.
3. Analyse der Spannungen
Wie bereits oben beschrieben, kann man die Wertekategorien in einem Kreis anordnen. Selbstbestimmung steht Sicherheit gegenüber, Stimulation die Konformität usw. Das macht Spannungen sichtbar, da gegenüberliegende Wertekategorien gegenläufig sind.
Betrachte deine Werteprofile unter Hinzunahme des Kreis und Stelle dir folgende Fragen:
Welche Werte liegen nah beieinander (harmonisch)?
Welche liegen gegenüber (spannungsreich)?
Welche Konflikte oder Entwicklungsimpulse ergeben sich daraus?
Wissenschaftlicher Hintergrund:
Spannungen entstehen aus inkompatiblen motivationalen Zielen, ein Kernprinzip des Schwartz‑Modells.
4. Vergleich mit anderen Profilen
Durch die universelle Struktur des Wertekreises lassen sich dein Profil mit den Profilen andere Personen vergleichen. Bitte zum Beispiel eine Person, die dir wichtig ist oder mit der du viel zu tun hast, ein eigenes Werteprofil zu bestimmen.
Ihr könnt nun gemeinsame untersuchen:
Wo liegen Gemeinsamkeiten?
Wo liegen Unterschiede?
Welche Spannungen entstehen zwischen Personen oder Gruppen?
Das schafft Verständnis und erhöht die Akzeptanz bei Konflikten. Das Werteprofil ermöglicht damit wissenschaftlich fundierte Interpretationen sozialer Dynamiken.
5. Werteprofil als Entscheidungswerkzeug nutzen
Dein Werteprofil kannst du auch zur Entscheidungsfindung einsetzen. Jede Option wirkt auf bestimmte Werte positiv oder negativ. Um diese Wirkung sichtbar zu machen, kannst du:
Werte hochbewerten, die durch eine Entscheidung gestärkt werden - indem du die Karte zum Beispiel nach oben schiebst
Werte herunterbewerten, die durch die Entscheidung geschwächt würden - indem du die Karte nach unten schiebst
Dadurch entsteht ein aussagekräftiges Bild, das die Gesamtwirkung der Entscheidung zeigt:
Liegt der Nutzen vor allem im Bereich der hoch priorisierten Werte, ist die Entscheidung konsistent und leicht.
Treffen die negativen Effekte dagegen genau die wichtigsten Werte, deutet dies darauf hin, dass die Option nicht zur eigenen inneren Ausrichtung passt.
So wird das Werteprofil zu einem kompassartigen Werkzeug, das Entscheidungen nachvollziehbar, stabil und kohärent macht.
Autor:
Anonymes Mitglied
Werteprofil des Beitrags
explizit
semantisch
Differenz
Selbstbestimmung
78
74
-4
Stimulation
62
59
-3
Hedonismus
35
33
-2
Leistung
57
55
-2
Macht
41
38
-3
Sicherheit
74
69
-5
Konformität
48
44
-4
Wohlwollen
66
61
-5
Universalismus
81
77
-4
Tradition
39
36
-3
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